In der letzten Augustwoche machten sich einige von uns Schwestern auf den Weg zur Wiege unseres Ordens: nach Prouilhe. Dort, wo der heilige Dominikus vor über 800 Jahren das erste Dominikanerinnenkloster gründete, durften wir eine Woche verbringen und viele bedeutende Stätten unseres Ordens in der Umgebung besuchen. Mit diesem kleinen Reisebericht möchten wir euch einen Einblick in unsere Tage in Südfrankreich geben: auf den Spuren des heiligen Dominikus. (Teil 1…weil es zu viel zu erzählen gibt)
Tag 1 – Fahrt nach Prouilhe
Der erste Tag unserer Reise begann sehr früh. Doch angesichts der großen Vorfreude waren wir bereits beim ersten Klingeln vom Wecker um kurz nach 4:00 Uhr schnell wach. Wir eröffneten den Tag und unsere Reise mit einer gemeinsamen heiligen Messe in unserer Klosterkapelle. Nach einem kleinen Frühstück brachen wir schließlich pünktlich um 5:45 Uhr in Richtung Frankreich auf. Immerhin lagen rund 11,5 Stunden Fahrt vor uns.
Mit dabei war auch unser Mitbruder und Mit-Schweizer Pater Christoph Holzer, der normalerweise in Deutschland lebt und wirkt. So bot unser Kleinbus für manchen Autofahrer, der uns auf der Autobahn passierte, vermutlich einen eher ungewöhnlichen Anblick: neun Schwestern, zwei Postulantinnen, ein Pater, ein Fahrer – und mittendrin eine Gitarre, die immer dann zum Einsatz kam, wenn wir gemeinsam das Stundengebet sangen.
In Prouilhe wurden wir von Schwester Leoba herzlich empfangen. Für einige Schwestern war es ein freudiges Wiedersehen nach vielen Jahren. Im frisch renovierten Gästehaus erwarteten uns wunderschöne Zimmer, in denen wir uns nach der langen Reise erst einmal ein wenig erholen konnten.


Tag 2 – Prouilhe, Fanjeaux, Haus des Dominikus
Mit der Laudes begann unser erster Morgen in Prouilhe. Ganz typisch französisch gab es zum Frühstück jeden Tag frisches Baguette mit Marmelade. Gut gestärkt ging es anschließend zu unserem ersten Programmpunkt: einer Klosterführung mit Schwester Leoba, die zu unserem großen Glück fließend Deutsch spricht.
Gemeinsam besichtigten wir die Basilika, die leider seit vielen Jahren renovierungsbedürftig ist (das Restaurierungsprojekt kann hier unterstützt werden). Umso beeindruckender ist die Treue, mit der die Schwestern dort Tag für Tag beten, obwohl die Kirche ein baufälliges Dach hat und die Fenster aus Plastik dringend mit echten Fenstern ausgetauscht werden müssten.
Schwester Leoba zeigte uns außerdem die Krypta, ein Reliquiar mit dem Schweißtuch des heiligen Dominikus aus seiner Sterbestunde und schließlich ein besonderes Highlight: die berühmte und verehrte Holzbüste unseres Ordensgründers.








Zu dieser Büste sagte Schwester Leoba: „Man muss ihn von allen Seiten anschauen und sich von ihm ansprechen lassen – sich etwas sagen lassen, denn er hat jedem etwas zu sagen. Das ist Dominikus zum Begegnen. Sicher weiß man, aus welchem Holz er geschnitzt ist, aber ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Er ist aus Gottes Holz.“
Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Fanjeaux, wo der heilige Dominikus rund zehn Jahre als Pfarrer lebte und wirkte. Ein besonderer Höhepunkt war, dass wir in seinem ehemaligen Wohnzimmer die heilige Messe feiern durften.
Anschließend besuchten wir die Rue du Four mit ihrer alten Dominikanerkirche und einem der ersten Dominikanerkonvente. Besonders bewegte uns der Altar, an dem Dominikus selbst die heilige Messe gefeiert hat. Den Rückweg nach Prouilhe legten wir zu Fuß zurück – auf demselben Weg, den auch Dominikus immer wieder gegangen ist.
















Tag 3 – Toulouse, Maison Seilhan, Kirche St. Jacobine
Am dritten Tag unserer Reise stand ein Ausflug nach Toulouse auf dem Programm. Die Stadt ist eng mit den Anfängen unseres Ordens verbunden. Während in Prouilhe das erste Kloster für Frauen gegründet wurde, entstand in Toulouse wenige Jahre später eine erste Gemeinschaft von Brüdern. Im Haus Seilhan versammelte der heilige Dominikus 1215 seine ersten Mitbrüder, um mit ihnen gemeinsam zu leben, zu beten und zu predigen.




Wir durften im Haus die heilige Messe feiern und bekamen eine wunderbare Führung, bei der wir wirklich viel lernten. Es war auch ein wenig kurioses Wissen dabei: wie zum Beispiel, dass das berühmte Motto der olympischen Spiele „schneller, höher, stärker“ von einem Dominikaner Pater, Henri Didon, geprägt wurde. Bis heute werden die Spiele mit einer heiligen Messe eröffnet, wenngleich die Medien davon nichts berichten. Hier sieht man Pater Didon auf einer Briefmarke mit seinem Motto „Citius, Altius, Fortius“:

Und ein weiterer „Fun Fact“ den wir lernten: einer der Stifter des Eiffelturms, Gabriel Thomas, war ein Laiendominikaner. Er habe auch die Idee gehabt, das Bauwerk mit tausend Glühbirnen leuchten zu lassen. Hier sieht man ihn mit eher trister Miene, aber wir werden den Eiffelturm fortan mit anderen Augen sehen und dabei unser dominikanisches Herz höher schlagen lassen.

Wir nutzten die Gelegenheit der Großstadt natürlich auch um in einer guten Pizzeria einzukehren und füllten mit unserer Mannschaft das halbe Restaurant. Danach ging es für uns noch weiter in die Jakobinerkirche wo wir das Grab des heiligen Thomas von Aquin besuchten und den schönen Kreuzgang genossen. Nach einem kurzen Stop in der Kirche Saint-Sernin ging es zurück nach Prouilhe. Dort beendeten wir den Tag mit der Komplet unter freiem Himmel auf dem Aussendungshügel.










