Ziteil Wallfahrt – Verso l’Alto


Inzwischen ist die jährliche Wallfahrt nach Ziteil für uns im Kloster Cazis zur Tradition geworden. Vielleicht bist du selbst schon einmal hinaufgepilgert, um in Ziteil die Gottesmutter in einem besonderen Anliegen um ihre Fürsprache zu bitten. Vielleicht hast du aber auch noch nie von Ziteil gehört und erfährst zum ersten Mal von diesem Marienwallfahrtsort in den Schweizer Bergen. Ziteil ist der höchstgelegene Wallfahrtsort Europas: Das Marienheiligtum liegt auf etwa 2434 Metern Höhe. Wie wurde Ziteil zum Marienwallfahrtsort? Die heilige Gottesmutter erschien hier im Jahr 1580 einem 18-jährigen Mädchen und später einem 16-jährigen Jungen. Maria rief zu Gebet und Buße auf. Heute ist Ziteil ein beliebter Schweizer Pilgerort, und viele Menschen kommen mit ihren Anliegen hierher.


Gemeinsam mit den Franziskanern wollten auch wir uns wieder auf den Weg machen. Wir starteten mit der heiligen Messe bei uns im Kloster Cazis. Ein Gedanke aus Pater Maximilians Predigt hat unsere Tage besonders begleitet:

 Der heilige Bonaventura vergleicht die christliche Hoffnung mit einem Duft. Hoffnung ist nicht bloß ein optimistischer Gedanke, sondern die Erfahrung von etwas, dessen Erfüllung wir noch erwarten. So wie der Duft von Jasmin den Nachtfalter im Dunkeln zur Blüte lockt, zieht uns die Hoffnung zu Gott. Der Duft ist das, was in unseren Alltag hineinwirkt. Selbst wenn wir die „Blume“ noch nicht vollständig sehen können, ist der Duft doch echt und spürbar: ein Vorbote dessen, was kommt.

Nach der Messe hieß es: Abfahrt zur Alp Munter, um bald den Anstieg nach Ziteil zu wagen. Gerade als wir losmarschierten, besprenkelte uns ein leichter Regen – sozusagen eine himmlische Abkühlung für die bevorstehenden Höhenmeter. Beim Pilgerkreuz auf halber Strecke machten wir einen kurzen Halt und sangen gemeinsam das Ziteiler Wallfahrtslied. Auch den Rosenkranz beteten wir auf dem Weg nach oben – das „Ehre sei“ bei einem so steilen Anstieg zu singen, war die erste kleine (ungeplante) Bußübung.

Oben angekommen erzählte uns Schwester Maria die Geschichte von Ziteil und erklärte, wie viel Mut Gott manchmal von uns verlangt. Denn das 18-jährige Mädchen, dem Maria erschien, wollte lieber nicht alle im Dorf zum Gebet und zur Buße aufrufen, so wie die himmlische Frau es von ihr verlangte. Ganze drei Mal musste Maria zu dem wohl eher schüchternen Mädchen sprechen, bis sie Mut fasste. So beteten auch wir auf der Bußtreppe in unseren Anliegen, für unser Land und für die Welt.


Der Weg lohnt sich aus vielen Gründen. Einer davon ist vielleicht etwas unerwartet. Es könnte dem einen oder der anderen beim Wandern neue Kräfte verleihen zu wissen, dass man oben angekommen von Pfarrer Paul köstlich versorgt wird. Er war nämlich früher Gourmetkoch. Die typische Bündner Gerstensuppe war wirklich ein Gaumenschmaus.


Auf dieser Höhe steigt die Seele ganz natürlich ins Gebet auf. Ob in der gemeinsamen Anbetung, beim Rosenkranz oder in der Stille, die man auf einem grünen Fleckchen Wiese mit Blick auf die Bergkulisse findet: hier oben kommt man mit Gott ins Gespräch.

Nach einer kurzen, aber doch irgendwie gemütlichen Nacht im Matratzenlager, dem Morgengebet der Kirche, einer heiligen Messe in der Gnadenkapelle und einem ausgiebigen Frühstück ging es für uns wieder talwärts. Den Abschluss der Wallfahrt bildete eine Adoray-Stunde in unserer Wendelinkapelle, die das Adoray Chur für uns gestaltete.

Dankbar wollen wir in den Alltag zurückkehren und uns weiterhin vom Duft der Hoffnung in Gottes Richtung ziehen lassen. Verso l’alto!

Heiliger Pier Giorgio Frassati, bitte für uns.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .

search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close