O Schlüssel Davids

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel
der du öffnest und niemand schließt;
du schließt, und niemand öffnet:
komm und führe den Gefangenen aus dem Kerker,
den, der da sitzt in Finsternis und in Todesschatten.

Die heutige O-Antiphon macht einen Rückbezug auf das Haus Davids. Der Schlüssel Davids, damit ist Jesus gemeint, ist der Erlöser und Befreier, auf den wir in der Adventszeit warten.
In einem bekannten Adventslied heisst es «O Heiland reiss die Himmel auf» und weiter «Reiss ab vom Himmel Tor und Tür, reiss ab, wo Schloss und Riegel für.» Auch in diesem Lied kommt zum Ausdruck, dass etwas verschlossen ist und einer erwartet wird, der aufschliesst.
Auch wenn wir nicht in einem Gefängnis aus Stein und Stahl sitzen, sind wir doch oft ebenfalls Gefangene. Einsamkeit – Hoffnungslosigkeit – fehlendes Selbstwertgefühl – Krankheit – Angst, all dies sind Sachen, die uns gefangen nehmen können. Verschlossen können aber auch unsere Zwischenmenschlichen Beziehungen oder unser Verhältnis zu Gott sein. Wer hat da nicht den Wunsch: Möge doch jemand kommen und mich befreien?
Im Advent bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten, denn Jesus ist es, der für uns das Tor zu Gott aufgeschlossen hat und auf ihn warten wir.

Lesung aus Lukas 1,67–80
67 Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt und begann prophetisch zu reden:
68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;
69 er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.
70 So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten.
71 Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen;
72 er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht,
73 an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;
74 er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen
75 in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage.
76 Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
77 Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden.
78 Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
79 um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Impuls:
Die eben gehörte Lesung aus dem Lukasevangelium ist gerade uns Schwestern sehr bekannt. Jeden Morgen in den Laudes, unserem Morgengebet stimmen wir in den Lobpreis des Zacharias mit ein. Es ist ein Lied, das Zacharias singt, nachdem er seinen Sohn, Johannes den Täufer in den Tempel zur Beschneidung gebracht hatte. Seit ihm ein Engel diesen Sohn angekündigt hatte bis eben gerade war er stumm, nun also lobt er Gott. Das Loblied steht direkt vor der uns bekannten Weihnachtsgeschichte und nicht weit vorher sang Maria ihren Lobgesang, das Magnifikat. Der Lobpreis des Zacharias steht somit in ganz engem Zusammenhang mit der Geburt Jesu. In diesem Zusammenhang müssen wir das Lied des Zacharias darum auch lesen. Mit dem Retter, von dem Zacharias singt, ist Jesus Christus gemeint. Durch ihn hat Gottes barmherzige Liebe die Menschheit besucht und befreit. Er ist der erwartete Messias, der diejenigen, die in Finsternis und im Todesschatten sitzen heraus ans Licht führt.
Wer aber sind diejenigen, die in Finsternis und Todesschatten sitzen? Es könnten damit die Sünder gemeint sind. Der Messias Jesus Christus befreit alle, die in Sünde und dem Bösen verstrickt sind. Aber im Kontext der gesamten Bibel könnten damit ebenso diejenigen gemeint sein, die von Gott noch nichts wissen, die sogenannten Heidenvölker. Jetzt wird verwirklicht, was bei den Propheten schon gesagt worden ist: Das Heil, das Israel geschenkt ist, ist nicht nur für das kleine Volk Israel, sondern auch für alle Völker, für die ganze Welt. Durch Jesus Christus kommt die Frohe Botschaft, dass Gott den Menschen befreit und rettet zu allen Völkern, zu allen Mencshen.
Der Retter, der die Menschheit erlöst und alle zu dem einen Gott Israels führt, er stammt aus dem Hause Davids. So heisst es bei den Propheten, so auch im Lied von Zacharias und in der O-Antiphon. Das Heil geht also klar von Jerusalem aus, aber es ist für alle. Wenn nun die ganze Welt am Heil, das von Jerusalem ausgeht, teilhat, dann ist, so die Propheten, die Endzeit angebrochen, die Endzeit, die der Welt den Frieden bringt; nicht einen billigen Frieden, sondern der Shalom Gottes, wo es keinen Krieg mehr geben wird, keinen Tod kein Leid.
Das ist das Wesentliche von Weihnachten: Der Erlöser ist geboren, derjenige, der uns aus der Finsternis des Elends, der Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und Krankheit, aus Leid und Tod herausführt, und der allen; uns und auch denjenigen, die Gott noch nicht kennengelernt haben, den Frieden schenkt. Klar, wir sehen noch so viel Leid in der Welt und der Tod wütet auch seit der Geburt Christi vor mehr als 2000 Jahren immer noch weiter. Die Endzeit ist angebrochen, aber noch nicht vollendet. Uns ist verheissen, dass wir durch die Taufe jetzt schon an diesem Heil teilhaben können, das uns dann mal in grosser Fülle erwarten wird. Wir müssen nur unser Herz für unseren Erlöser öffnen und uns ihm anvertrauen. Und die Fülle, die haben wir nach wie vor zu erwarten. Darum bitten wir: Herr Jesus Christus, komm, komme bald und führe uns endgültig aus unseren Kerker, aus Finsternis und Todesschatten!

O Clavis

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